Worauf ist bei Nachtaktionen zu achten?
Geländespiele, Stationenspiele oder Spaziergänge in der Nacht können für Kinder sehr spannend und interessant sein. In der Nacht sieht und hört sich alles anders als untertags. Und wann haben - vor allem Stadtkinder - schon die Möglichkeit, sich nach Einbruch der Dämmerung in freier Natur zu bewegen?
Leider kommt es bei Nachtaktionen am Lager auch vor, daß die Gruppenleiter die Kinder aufgrund von Unbedachtsamkeit oder unter Berufung auf eine (schlechte) Tradition in Situationen bringen, die Angst machen können. Dazu gehören Programmpunkte, bei denen man allein im Dunkeln, womöglich noch ohne Taschenlampe, herumlaufen oder sogar von anderen davonlaufen muß, sogenannte "Mutproben", Geistern, oder brutale (Lebensband-)Spiele. Da es grober Leichtsinn ist, durch angstmachende Aktionen Kindern die Schönheit der Nacht zu vermiesen, ihnen Alpträume oder sogar psychische Schäden zuzufügen, ist bei Nachtaktionen besondere Vorsicht geboten.
Ein Nachtprogramm, bei dem alle die Chance auf für sie spannende (und es ist sehr unterschiedlich, was von verschiedenen Menschen als spannend empfunden wird) und neue Erlebnisse haben sollen, muß folgende Kriterien erfüllen:
Keine Angst erzeugen
Nachtaktionen sind nicht dazu da, um Angst zu machen, sondern um gemeinsam die Nacht zu erleben und das Besondere der Dunkelheit auszukosten. Dazu gehört auch, daß niemand mitmachen muß, der das nicht will.
Angstäußerungen der Kinder ernstnehmen
Es ist sehr wichtig, daß die Gruppenleiter während des Nachtprogramms ganz besonders sensibel für das Wohlergehen der Kinder sind. Nicht alle Kinder sagen es, wenn sie beginnen sich zu fürchten. Wenn man merkt, daß einem Kind ein bißchen mulmig wird, muß es die Möglichkeit geben, sich auszurasten und zu entspannen (z.B. bei einem Gruppenleiter mit Tee und Licht). Äußert ein Kind sein Unbehagen, so muß dies ernstgenommen und darauf reagiert werden (z.B. durch Begleitung zu einer betreuten Anlaufstelle oder zum Haus zurück, wo ein Gruppenleiter zur Verfügung steht, etc.).
Kinder das Tempo ihres Vertrautwerdens mit der Dunkelheit selbst bestimmen lassen
Die Gruppenleiter, oder eine Spielregel dürfen nicht vorschreiben, wann und wie weit sich Kinder in die Dunkelheit hinauswagen sollen. Jeder kann nur freiwillig in seinem selbstgewählten Tempo vorgehen. Bei Geländespielen sollte es die Möglichkeit geben, sich auch in der Nähe des Hauses aufzuhalten und dabei mitzuspielen.
Kinder nur in Gruppen gehen lassen
Die Kinder sollten sich immer nur in Gruppen in der dunklen Nacht bewegen. Bei der Gruppenbildung muß es möglich sein, sich selbst auszusuchen, mit wem man gehen will. Günstig ist es, wenn ältere und jüngere Kinder in den Gruppen gemischt sind.
Nähe/Begleitung durch die Gruppenleiter
Bei jeder Aktion müssen Gruppenleiter den Gruppen anbieten, sie zu begleiten. Auch wenn das nicht gewünscht wird, sollen immer Gruppenleiter in der Nähe bleiben.
Möglichkeit der Nichtteilnahme - Angebot eines Alternativprogramms
Durch ein Alternativprogramm ist gewährleistet, daß kein Kind bei einer Nachtaktion mitmachen muß, wenn es nicht will. Außerdem sind dann immer Leute im Haus zur Verfügung für Kinder, die während einer Aktion feststellen, daß sie eigentlich nicht mehr weiter mitmachen wollen.
Taschenlampe muß verwendbar sein
Es muß für die Kinder möglich sein, Taschenlampen zu verwenden. Evtl. mit blauem Licht, damit man zwar selbst was sieht, von anderen aber nicht gesehen wird. Alternativen zu Taschenlampen können manchmal auch Fackeln oder Laternen sein.
Betreute Anlaufstelle mit Licht muß vorhanden sein
Hier können sich die Kinder bei einem Gruppenleiter ausruhen, von ihren Erlebnissen erzählen, sich an Kleinigkeiten laben oder Tee trinken.
Das Gelände muß bekannt sein
In der Umgebung muß schon vorher bei Tag eine Aktion stattgefunden haben.
Nicht gleich nach der Aktion schlafen gehen
Nach einer spannenden und aufregenden Nachtaktion brauchen die Kinder noch eine Erholungsphase: eine halbe Stunde plaudern, Erlebnisse austauschen, sich mit einem Tee aufwärmen, etc.